Claudia Ph.,index.php?page=Thread&postID=81578#post81578' schrieb:Fakt ist, der Hund ist ein Egoist, der den direkten Weg immer bevorzugt, Ausbildung ist nichts anderes, als den Hund zu manipulieren und Ihm den indirektenn Weg zu lehren.
[...] die Wege sind alle auf die Ausbildung eines Egoisten ausgerichtet, (gottseidank kann der Hund nur Verknüpfen und nicht denken) und wer verstanden hat wie ein Hund lernt, ist klar im Vorteil.
Hallo Claudia,
Ich möchte mich kurz zu Deinem Beitrag äussern (und dabei vom Thema abkommen, was bei mir anscheinend zur Regelmässigkeit wird). Die Aussage, dass Hunde Egoisten sind und nicht denken können, sondern nur durch Verknüpfung (und Konditionierung) lernen, habe ich schon oft gehört. Es wird sich dann immer auf die “Lerngesetze” berufen, die ja schon oft durchgekaut worden sind (und Martin hat recht, es gibt mehrere). Mich stimmt diese Einstellung/Ansicht extrem traurig und auch nachdenklich, weil ich glaube, dass sie nur ein Teil des wunderbaren Repertoires an Verhaltensmöglichkeiten des Hundes widerspiegelt. Ich möchte nicht abstreiten, dass die Trainingsmethoden die Du (und andere hier) aufgeführt hast funktionieren.
Jedoch verkennt diese Einstellung die Bandbreite und Vielfälltigkeit von sozialen und kognitiven Fähigkeiten von Hunden vollkommen. Meines erachtens reduziert diese Obsession mit Konditionierung unser Bild des Hundes auf ein nicht-denkenden Roboter, der, wenn er ein bestimmtes Program an positiven und/oder negativen Erfahrungen verbunden mit einer bestimmten Handlung/Verhalten oft genug durchgemacht hat, diese Handlung in Zukunft genauso immer abspielen wird. Das man ein Hund (oder sonst ein Tier) so ausbilden kann, ist uns allen bewusst, glaube ich, und wird uns jeden Tag auf dem HuPla vorgemacht. Man kann auch Menschen so ausbilden – heisst das nun im Rückschluss, dass Menschen nur so lernen und nicht denken können? Ich denke nein und dies trifft auch auf den Hund zu, aber vielleicht siehst Du das ja anders.
Es wird derzeit von einigen Forschungsgruppen (z.B. Kaminski in Leipzig, Miklosi in Budapest, Range in Wien) recht viel an den kognitiven und sozialen Fähigkeiten von Hunden geforscht. Das Bild, dass sich in den letzten 10 Jahren vom Hund abzeichnet ist nicht das eines dummen Egoisten, sondern eines sehr nuanzierten, sozial agierenden Partner des Menschen. Es ist klar, dass ein Hund nicht so denkt wie wir Menschen, aber ihm denken ganz abzusprechen finde ich schon fast unverschämt. Und natürlich ist ein Hund in gewissen Rahmen ein Egoist, aber das ist jeder Mensch auch (auch Mutter Theresa oder der Dalai Lama). Das heisst aber nicht, dass der Mensch (und der Hund) nicht auch sehr sozial sein kann und sich auch entgegen des Eigeninteresse verhalten kann. Ich denke genau diese sozialen und kognitiven Eigenschaften sind es, die den Hund zum wertvolle(ste)n Sozialpartner des Menschen gemacht haben.
Was mich kurz zu Heinz’s Kommentar zur Kausalkette des RSV bringt: ich denke auch jeder Hund muss ausgebildet werden damit man ihn richtig beurteilen kann (die Meinung einen Hund am besten roh zu sichten halte ich für falsch – ein Hund muss beweisen, dass er sich ausbilden lässt, sonst ist er nicht mehr vom Menschen zu “gebrauchen”). Nun kommt immer das Argument, dass ein guter Ausbilder einen schlechten Hund gut aussehen lässt und ein schlechter Ausbilder einen guten Hund “kaputt” macht, was solche Junghund (oft Welpensichtungen) zu nichte macht. Das möchte ich nicht bestreiten, aber ich möchte folgendes zur Anregung geben: ein guter Hund sollte ausbildbar sein, da sind sich hoffentlich alle einig drüber. Aber, wie gut muss die Ausbildung sein, damit ein Hund noch als zu “gebrauchen” zu erkennen ist? Meiner Meinung nach machen sich darüber Züchter und HF zu wenig gedanken. Ich habe schon oft gehört, der Hund ist versaut worden, etc. Aber man kann den Spiess auch rumdrehen und sagen, ok, die Ausbildung war nicht ideal (und seien wir mal ehrlich, wie viele sind ideal?) aber auch nicht pathologisch schlecht, dh der Hund war nicht gut genug um nach einer mittelprächtige Ausbildung noch zu gebrauchen zu sein. Es gibt Hunde die sehen auch bei Anfängern gar nicht so schlecht aus – diese werden aber in der Zucht eigentlich kaum gewürdigt. Es ist im Gegenteil eher so, dass ein Hund der so bockig ist, so stur, sich so schwer ausbilden lässt, der dann von Besitzer zu Besitzer wechselt weil keine mit ihm klar kommt, bis er an eine Person kommt die die Erfahrung, das Umfeld, und den Willen hat mit solch einem Hund fertig zu werden, dann wird dieser Hund als “Echter” betitelt und als wertvoll für die Zucht bezeichnet. Wenn dies die Zuchtrichtung darstellt, da frage ich mich, wie gut muss ein HF sein um mit einem DSH umzugehen? Sollen wir da wirklich hin? Ich kenne Züchter die bekannt sind solche Klötze zu produzieren und die behaupten dann noch von sich die Führigkeit zu verbessern (es ist ja eh immer der HF schuld wenn der Hund bockt).
Und hier komme ich wieder zum obigen Thema: Ich denke ein guter Hund
muss leicht ausbildbar sein. Und für mich sollte Führigkeit zum grossen Teil auf der Sozialbindung zwischen Hund und HF aufbauen und nicht über die Lenkung mittels eines Motivationsobjekts oder gar stupider Konditionierung. Wenn man den Hund als reinen Egoisten betrachtet, dann verschliesst man sich der sozialen Komponente und der Mensch-Hund Bindung vollkommen und kann diese weder in der Ausbildung, noch in der Zucht beurteilen. Natürlich sind Hunde keine Wesen die immer nur auf Herrchen hören, weil es ihnen Spass macht Herrchen gefallen zu wollen, aber es gibt hier genügend Variation innerhalb der Hundepopulation, dass man auf dieses Bindungsvermögen (oder Personen-spezifische gefallen-wollen) züchterisch aufbauen könnte. Ich habe in der DSH Welt aber wirklich noch nie jemand davon reden hören (im KNPV komischerweise schon). Und dabei ist es doch genau diese Eigentschaft für die der Hund am besten bekannt ist. Was heute in der Leistungszucht hingegen gefragt ist, ist doch (entschuldigt die Ausdrucksweise) die Sportschlampe. Gebt denen ein Ball und die kotzen sich die Lunge aus dem Leib für jeden, egal wer das ist. Mir haben ein paar Leute gesagt, dass ich und meine (ehemalige) Hündin ein tolles Team abgeben würden - aber ein Team waren wir eigentlich nie. Der war es immer egal wer mit ihr auf dem Platz stand, solange sie Spass hatte. Ist das noch ein Team, eine Partnerschaft? Wenn dies die Norm beim DSH geworden ist, dann braucht niemand mehr vor Wachhunden Angst oder gar Respekt haben. Man braucht nur ein Ball oder eine Beisswurst und schon hast Du einen treuen Partner. Wenn man Hunden nur als egoistische, nicht-denkende Automaten abstempelt, dann wird man diese nuanzierten Sozialfähigkeiten des Hundes auch nicht erkennen oder würdigen. Ein Hund der mit einem Menschen als Partner arbeitet, weil ihm diese Interaktion mit
diesem Partner spass macht, wird so nie geziehlt gezüchtet werden. Heute wird leider ein DSH gezüchtet für den der Mensch nur Mittel zum Zweck (also Bringer des Balls und Dosenöffner) ist (also wahrlich ein Egoist). Der Mensch dahinter ist dem Hund egal.
Mit nachdenklichem Gruss,
Dietrich