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Hallo,
wer von euch hat das Buch von Glöckner "Der gewaltfreie Weg zum Verbellen" gelesen und mag mit mir darüber diskutieren? Gibt es hier vielleicht sogar jemanden, der seinen Hund nach dieser Methode ausgebildet hat und mal darüber berichten kann?
Nachdem ich das Buch mehrfach gelesen habe und generell unkonventionellen "sanften" Ausbildungsmethoden (wenn sie denn funktionieren :whistling: ) sehr zugetan bin, erscheint mir der Aufbau nach Glöckner recht sinnvoll und vor allem unter Tierschutzaspekten absolut überzeugend.
Allerdings habe ich doch einige Befürchtungen/Fragen zu dieser Ausbildungsmethode:
1) Wie sieht die Akzeptanz dieser Methode bei den Helfern aus? Auf den meisten Hundeplätzen wird ja immer noch so gearbeitet, wie es Glöckner kritisiert und andere Methoden werden gerne als Wattebäuschchenausbildung verworfen.
2) Inwiefern ist es möglich, Aggression in die Schutzdienstarbeit mit einfließen zu lassen? Oder bleibt der Hund immer Beuteverbeller? Wie wird der Hund vom Helfer idealerweise in den Aggressionsbereich gebracht? Durch Aktivität von Helferseite dürfte das ja kaum möglich sein, weil der Hund bei einem aktiven Helfer sofort Angriff assoziiert und in die Beute geht.
3) Besteht bei Prüfungen nicht die Gefahr, dass der Hund Schwierigkeiten beim Anbiss hat, weil die Beißphasen im Training immer getrennt von der Verbellübung geübt werden?
4) Bleibt die Bestätigung auch beim fertig ausgebildeten Hund immer nur die Beutebestätigung? Oder kann man nach und nach den Hund auch mal klassisch mit dem Ärmel für ein gelungenes Verbellen bestätigen, ohne die gesamte Ausbildung wieder zu ruinieren?
LG
Nina
All great dogs, like all great men work because they have to, but because they want to action is their chief medium of happiness.
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NinaD,index.php?page=Thread&postID=73626#post73626' schrieb:1) Wie sieht die Akzeptanz dieser Methode bei den Helfern aus? Auf den meisten Hundeplätzen wird ja immer noch so gearbeitet, wie es Glöckner kritisiert und andere Methoden werden gerne als Wattebäuschchenausbildung verworfen.
2) Inwiefern ist es möglich, Aggression in die Schutzdienstarbeit mit einfließen zu lassen? Oder bleibt der Hund immer Beuteverbeller? Wie wird der Hund vom Helfer idealerweise in den Aggressionsbereich gebracht? Durch Aktivität von Helferseite dürfte das ja kaum möglich sein, weil der Hund bei einem aktiven Helfer sofort Angriff assoziiert und in die Beute geht.
3) Besteht bei Prüfungen nicht die Gefahr, dass der Hund Schwierigkeiten beim Anbiss hat, weil die Beißphasen im Training immer getrennt von der Verbellübung geübt werden?
4) Bleibt die Bestätigung auch beim fertig ausgebildeten Hund immer nur die Beutebestätigung? Oder kann man nach und nach den Hund auch mal klassisch mit dem Ärmel für ein gelungenes Verbellen bestätigen, ohne die gesamte Ausbildung wieder zu ruinieren? Hallo Nina!
zu1) Ich als Helfer habe überhaupt keine Probleme und Ängste mich neuen oder anderen Methoden zuzuwenden. Grundsätzlich gehe ich auch davon aus das der Hundeführer selbst einen großen Teil der Verantwortung bezüglich der Ausbildung seines Hundes hat. Ich denke ein guter Helfer mit entsprechender sozialer Kompetenz würde sich auf eine andere als die von ihm favorisierte und gewohnte Methode einlassen.
zu2) Wenn z.B. eine VPG Prüfung als Zielsetzung definiert ist, sollte ein Verbellen nach der Beute ohne Einschränkungen im Sinne der PO geleistet werden können. Die Frage ist, .... kann das alles sein? Diese Frage wird von jedem Individuell beantwortet und hier spiegelt sich oftmals der Charakter bzw die Intention des jeweiligen Hundeführers oder Schutzdiensthelfers in der Ausbildung wieder.
zu3) Ich denke das man zwischen den Lernphasen und den Trainingsphasen unterscheiden kann. Hat der Hund die verschiedenen Verhalten erlernt, sollte es möglich sein diese in der Trainingsphase zusammen zu setzen. Ich persönlich finde es gut und praktiziere es auch den Hund während einer Schutzdienst Session mit einem Beuteobjekt (Ball - Triebstange - anderes) von mir zu bestätigen. Schwierigkeiten wie ein eingeschränktes Anbißverhalten habe ich noch nicht beobachten können.
zu4) Ich meine das eine Bestätigung so vielfältig sein sollte wie es nur geht. Für das Verbellen gibt es z.B. das Lob, den Hetzarm, das Beutekissen oder auch einfach mal den Ball. Letzendlich kann der Hundeführer sogar ein Bellen durch die Bestätigung mit Futter verstärken. Ich habe die Erfahrung gemacht das ein Verhalten dann stabiler wird, wenn es in vielen verschiedenen Situationen (Generalisieren) abgerufen wird und durch verschiedene Triebbestätigungen verstärkt wird. .... kurz um, ich meine nicht das ein Bestätigen des Bellens mit dem Hetzarm eine vorangegangene Ausbildung oder Lernerfahrung ruiniert.
zu5) .... ach so Punkt 5 gibt es ja nicht! LOL Ich möchte hier mal ein Video von 2003 Anhängen von einem Hund der das Bellen über den Ball erlernt bekommen hat, dann aber in der Folge auch mit einem Hetzarm bestätigt wurde. Dieser Hund hat später seine Prüfungen für eine Hospital Security Firma wunderbar und erfolgreich bestanden und keinerlei Probleme gehabt, nicht beim Anbiß als auch mit fehlender Aggression.
[video]http://www.youtube.com/watch?v=4wvHPeh01jI[/video]
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Danke dir erst mal für die Antwort. Ich hab inzwischen gesehen, dass Glöckner schon ein paar Mal Thema hier war. Den alten Threads konnte ich noch die ein oder andere Info entnehmen.
Vor allem bezüglich des Einfließenlassens von Aggressionsverhaltens im Schutzdienst muss ich allerdings noch einmal nachhaken:
Detlef Berensmann,index.php?page=Thread&postID=73631#post73631' schrieb:zu2) Wenn z.B. eine VPG Prüfung als Zielsetzung definiert ist, sollte ein Verbellen nach der Beute ohne Einschränkungen im Sinne der PO geleistet werden können. Die Frage ist, .... kann das alles sein? Diese Frage wird von jedem Individuell beantwortet und hier spiegelt sich oftmals der Charakter bzw die Intention des jeweiligen Hundeführers oder Schutzdiensthelfers in der Ausbildung wieder.
Ich meine, dass dann, wenn der Hund die geistige Reife mitbringt und die Lernphase hinsichtlich des Beutebellens abgeschlossen ist, schon auch die Aggressionsbereiche angesprochen werden sollten.
Die Frage ist nur wie. Durch Helferaktivität (Peitsche, Anschreien, Provozieren, Schmerzverursachung etc.) wird beim Hund ja ausschließlich Beuteverhalten ausgelöst und er wird sofort Griff machen. Wenn der HF oder der Helfer den Hund dann sperren und ihn für gezeigtes Aggressionsverhalten mit dem Ärmel oder auch mit einem anderen Beuteobjekt bestätigen, wird das Gelernte (aktiver Helfer=beißen; passiver Helfer=immer nur verbellen) doch wieder in Frage gestellt und die ganze Ausbildung ruiniert...
Wie machst du das bzw. würdest du das machen?
Zitat:zu4) Ich meine das eine Bestätigung so vielfältig sein sollte wie es nur geht. Für das Verbellen gibt es z.B. das Lob, den Hetzarm, das Beutekissen oder auch einfach mal den Ball. Letzendlich kann der Hundeführer sogar ein Bellen durch die Bestätigung mit Futter verstärken. Ich habe die Erfahrung gemacht das ein Verhalten dann stabiler wird, wenn es in vielen verschiedenen Situationen (Generalisieren) abgerufen wird und durch verschiedene Triebbestätigungen verstärkt wird. .... kurz um, ich meine nicht das ein Bestätigen des Bellens mit dem Hetzarm eine vorangegangene Ausbildung oder Lernerfahrung ruiniert.
Die Variabilität beim Bestätigen zwecks Lernfixierung finde ich einleuchtend. Am Ende bestätigt aber ausschließlich der HF mit den verschiedenen Beuteobjekten (Ausnahme Hetzärmel), um zu vermeiden, dass der Hund komplett helferabhängig wird, oder?
LG
Nina
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NinaD,index.php?page=Thread&postID=73771#post73771' schrieb:Ich meine, dass dann, wenn der Hund die geistige Reife mitbringt und die Lernphase hinsichtlich des Beutebellens abgeschlossen ist, schon auch die Aggressionsbereiche angesprochen werden sollten.
Die Frage ist nur wie. Durch Helferaktivität (Peitsche, Anschreien, Provozieren, Schmerzverursachung etc.) wird beim Hund ja ausschließlich Beuteverhalten ausgelöst und er wird sofort Griff machen. Wenn der HF oder der Helfer den Hund dann sperren und ihn für gezeigtes Aggressionsverhalten mit dem Ärmel oder auch mit einem anderen Beuteobjekt bestätigen, wird das Gelernte (aktiver Helfer=beißen; passiver Helfer=immer nur verbellen) doch wieder in Frage gestellt und die ganze Ausbildung ruiniert... 
Wie machst du das bzw. würdest du das machen? Aggressionsförderung durch Helferaktivität ist etwas das ich im VPG Sport überhaupt nicht oder nur sehr eingeschränkt anwende. Aus meiner Sicht ist die Förderung von Aggression (wen man das so überhaupt bezeichnen möchte, da vom Gesetzgeber verboten) schon durch das Brechen von Wiederständen gegeben. Aggressionsverhalten kann also sehr vielfältig sein und äußert sich nicht nur durch Knurren oder Zähne fletschen oder ähnliches. Um nicht aneinander vorbeizureden möchte ich unterscheiden zwischen:
- Konkurrenzbedingte Sozialaggressivität
Schlüsselreiz: Konkurrenzverhalten, Konflikt, Frust
- Wehrtrieb
Schlüsselreiz: Physische & psychische Belastung
Ich favorisiere für den im Sport geführten Hund die erste Variante, und hier im besonderen den Konflikt und die Möglichkeiten der Frustration.
Letztendlich geht es doch darum, ... wie kann ich ein Lernverhalten (Stellen & Verbellen) intensivieren?
Die vielerorts übliche Einstellung, Intensität nur über Belastung oder Bedrohung (was durchaus sehr gut funktioniert) zu produzieren, ist aus meiner Sicht und in der heutigen Zeit keine gute Wahl, .... und mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und dem Wissen über Konfliktmanagement auch nicht mehr nötig. Um Deine Frage (Wie machst du das?) gezielt zu Beantworten:
- Positive Verstärkung von Verhalten
- Unregelmäßige Bestätigung von Verhalten
- Lernfixierung durch Konflikt
Der Helfer bzw die Helfertätigkeit hat nur einen begleitenden Charakter, das heißt er Antwortet auf das hundliche Verhalten mit leichten unterschwelligen Signalen. Die Abhängigkeit zur Helfertätigkeit wird so auf ein Minimum reduziert. Ängste das ein Hund nicht genügend Intensität zeigt, oder er nicht genügend Belastbar ist oder wird, habe ich einfach nicht!
NinaD,index.php?page=Thread&postID=73771#post73771' schrieb:Die Variabilität beim Bestätigen zwecks Lernfixierung finde ich einleuchtend. Am Ende bestätigt aber ausschließlich der HF mit den verschiedenen Beuteobjekten (Ausnahme Hetzärmel), um zu vermeiden, dass der Hund komplett helferabhängig wird, oder? Eine Abhängigkeit zur Helfertätigkeit ist immer eine Einbahnstraße und natürlich so gut es geht zu vermeiden. Ein "AUSSCHLIEßLICH" oder "GRUNDSÄTZLICH" gibt es bei der Ausbildung von Hunden meiner Meinung nach nicht. Dafür ist Lernverhalten mit all seinen Möglichkeiten zu komplex und anspruchsvoll. Im übrigen glaube ich das eine Lernfixierung alleine durch die variable Bestätigung nicht möglich ist. Fixierung von Lernverhalten ist erst dann gegeben, wenn der Hund trotz eines Konfliktes das erlernte Verhalten, zur Lösung des Konfliktes einsetzt.
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