Das Leistungshundeforum
Superlernen: Fixe Idee oder Allheilmittel - Druckversion

+- Das Leistungshundeforum (https://www.leistungshundeforum.de)
+-- Forum: Working Dogs (https://www.leistungshundeforum.de/forumdisplay.php?fid=6)
+--- Forum: Ausbildung (https://www.leistungshundeforum.de/forumdisplay.php?fid=34)
+--- Thema: Superlernen: Fixe Idee oder Allheilmittel (/showthread.php?tid=15465)

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23


- dberensmann - 07-04-2016

widerstandsverhalten bedeutet einfach nur: nicht so schnell aufgeben - warum so kompliziert??


- Nora - 08-04-2016

dberensmann,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/25220-Superlernen-Fixe-Idee-oder-Allheilmittel/?postID=171810#post171810 schrieb:widerstandsverhalten bedeutet einfach nur: nicht so schnell aufgeben - warum so kompliziert??

Ich finde den Begriff Widerstandsverhalten auch nicht glücklich. Nicht so schnell aufgeben bedeutet für mich: Durchsetzungsvermögen, Belastbarkeit, Kampfgeist.

Ich finde den Thread sehr interessant. :thumbup:
Manchmal fühlte ich mich in mein pädagogisches Studium zurückversetzt.


- dberensmann - 08-04-2016

Nora,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/25220-Superlernen-Fixe-Idee-oder-Allheilmittel/?postID=171814#post171814 schrieb:Durchsetzungsvermögen, Belastbarkeit, Kampfgeist
klingt nach eigenschaften einer widerstands-truppe? mist da war es wieder, diese blödes wort widerstand.

"es gibt fakten über hunde, und es gibt meinungen über hunde. die hunde haben die fakten, die menschen haben die meinungen. willst du die fakten haben, hole sie dir von den hunden. willst du meinungen haben, bekommst du sie zu hauf von den menschen."



- tinka - 08-04-2016

Moin zusammen,

es es hört sich einfach deswegen nicht gut an, weil ...verhalten ja eine Auswirkung ist, keine Eigenschaft.

Widerstand leisten, also Opposition zeigen, ist immer in dem dazugehörigen Kontexten zu sehen und dann zu bewerten, denke ich. Gegen den HF ist m.m. nach keine anzustrebende Option, handlungsfähig bleiben nach einer disziplinarischen Maßnahme durch den HF schon. Aber da kommen auch schon Lernerfahrungen dazu.

Widerstände überwinden, die ja auch z.b. lange Durststrecke n sein können, oder hohe physische Bekastung, das sind Eigenschaften, die ich als sehr förderlich empfinde.

Gruß Reinhard


- Pesch - 08-04-2016

Die angeborene psychische Widerstandsfähigkeit des Hundes lässt sich beeinflussen. (Die körperliche natürlich auch.)Das Superlernen legt sehr großen Wert auf die Widerstandsfähigkeit des Hundes und stärkt sie gezielt, denn dann kann der Hund unter Stress und in Krisen und Konflikten erfolgreicher handeln.Um z.B. die Problemlösekompetenz, einer von mehreren Faktoren, die die Widerstandsfähigkeit ausmachen, gezielt zu schulen, nutzt man innerhalb des Superlernens auch das freie Formen mit Clicker (meist Übungen ausserhalb der PO). Gleichzeitig stärkt man dabei auch seine Selbstwirksamkeitsüberzeugung als weiteren Widerstandsfaktor. Der Hund wird sicherer, dass er nicht Opfer ist, sondern durch sein Verhalten Kontrolle ausüben kann.

Dagegen kann sich beim xxx von Plan A bis Z eine erlernte Hilflosigkeit entwickeln, die es dem Hund unmmöglich macht, erfolgreiches Krisenmanagement zu betreiben, und seine Widerstandsfähigkeit schwächt. Dann kuscht er statt zu strahlen.

------
:moderator: habe ge xxx t


- MMW79 - 08-04-2016

es gibt kein superlernen
das ist der Versuch einen neuen Begriff zu etablieren, in dem alle möglichen Fakten zusammengesammelt werden.


- Maliman - 08-04-2016

Nora,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/25220-Superlernen-Fixe-Idee-oder-Allheilmittel/?postID=171814#post171814 schrieb:
dberensmann,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/25220-Superlernen-Fixe-Idee-oder-Allheilmittel/?postID=171810#post171810 schrieb:widerstandsverhalten bedeutet einfach nur: nicht so schnell aufgeben - warum so kompliziert??

Ich finde den Begriff Widerstandsverhalten auch nicht glücklich. Nicht so schnell aufgeben bedeutet für mich: Durchsetzungsvermögen, Belastbarkeit, Kampfgeist.

Ich finde den Thread sehr interessant. :thumbup:
Manchmal fühlte ich mich in mein pädagogisches Studium zurückversetzt.

Ich verstehe darunter Triebbeständigkeit.
Kann man aber auch trainieren.


- Pesch - 08-04-2016

Superlernen ist zwar ein relativ neuer Begriff, es ist aber kein Sammelsurium, denn es werden bestimmte Faktoren des Lernens in eine Konzeption eingeordnet. Im Vordergrund steht dabei nicht das Erlernen einer bestimmten Übung wie Sitz-Platz-Steh, sondern die Grundfaktoren einer jeder gelungenen Performance. Die gezielte Nutzung dieser Faktoren macht dann den Unterschied aus. Zu diesen Faktoren gehört die Förderung der Widerstandsfähigkeit. Die aber weit über Triebbeständigkeit hinausgeht, denn Superlernen versteht den Hund nicht nur als triebgesteuerte Reiz-Reaktionsmaschine.

Clickern war auch mal ein neuer Begriff für eine bestimmte Konzeption. Bis heute gibt es Leute, die sich darüber lustig machen.


- WoWi - 08-04-2016

Sorry, doch noch eine letzte Bemerkung: Hier geht gerade etwas massiv durcheinander, nämlich die Fähigkeit des Hundes, Außenreizen Widerstand entgegenzusetzen einerseits und der Widerstand des Hundes gegen Einflussnahmen des Hundeführers andererseits. Es liegt zwar nahe anzunehmen, dass beide verwandt sind, sie sind aber doch nicht einfach dasselbe. Und das sehen wir ständig: Es gibt ausgesprochen führerweiche, aber gegen den Helfer harte Hunde. Es gibt wärmeweiche Hunde, die aber gegen ihren Hundeführer eher durch eine gewisse Sturheit glänzen etc. Die verschiedenen "Widerständigkeiten" wären separat zu diskutieren, wenn nach ihrem jeweiligen Wert für den Gebrauchshund zu fragen ist. @ tinka: Sie sind zwar je aktuell Verhalten, aber die Dispositionen zu Art und Ausprägung von Verhalten sind sehr wohl "Eigenschaften", die sich züchterisch beeinflussen lassen.

Bitte nicht weiter alles als "Widerstand!" durcheinander murmeln, denn dann werden sehr problematische Erscheinungen plötzlich dadurch glanzvoll gerechtfertigt, dass ganz andere Widerstandsfähigkeiten tatsächlich wünschenswert erscheinen. Nach der Methode rechtfertigen z. B. Nahrungsmittelhersteller das Vorhandensein problematischer gesättigter Fettsäuren dadurch, dass doch von Fettsäuren auch positive Wirkungen bekannt sind (freilich von anderen, aber das muss ja nicht mehr gesagt werden, wenn erst einmal alles in einen Topf geworfen ist). Entdifferenzierung ist der Einsicht selten förderlich.


- Pesch - 08-04-2016

WoWi,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/25220-Superlernen-Fixe-Idee-oder-Allheilmittel/?postID=171838#post171838 schrieb:Bitte nicht weiter alles als "Widerstand!" durcheinander murmeln,

Sehr richtig, denn Widerstandsverhalten ist ein typischer Begriff der alten Schule. Sie bringt ihn gerne in Zusammenhang mit dem Begriff „dominanter Hund“.

Beides wird absolut als Charaktereigenschaft verstanden ohne einen konkreten Zusammenhang. Dabei ist Dominanz ja nur möglich in einem konkreten Beziehungs- und Handlungszusammenhang: ich Hund will jemanden ganz bestimmtes in diesem konkreten Handlungsmoment auf diese Art beherrschen.
Die moderne Schule versteht den widerständigen Hund deshalb so: dieser Mensch hat mir in dieser Situation auf diese Art gar nichts zu sagen. Also drei Faktoren statt Charaktereigenschaft per se. Und da sind wir beim Superlernen: in welcher Beziehung steht der Hund zu diesem Menschen, um welche Situation handelt es sich, welcher Art ist die Einwirkung?

Nehmen wir mal zur Abwechslung den SD. In welcher Beziehung steht der Hund zum Helfer? Ist das ein Spielkamerad, ein Erzieher, ein Gegner? Ein Helfer der alten Schule will dem Hund nach Kampfhandlung als Gegner und erwünschtem Widerstand des Hundes ihm dann als Erzieher mit dem eroberten leeren Ärmel unter und über den Fang greifen, am besten noch im Vorsitz. Der Hund soll sich das ruhig gefallen lassen, also keinen Widerstand leisten. Das finden die Anhänger der alten Schule gut, denn sie sehen Ausbildungsschritte immer aus der Sicht des Menschen.

Die moderne Schule bleibt in diesem Beispiel rollenkonform in der Rolle des Gegners. Der Hund darf Widerstand leisten, wenn er den leeren Ärmel erobert hat und der Helfer sich nähert. Er muß sich vom Helfer danach nichts gefallen lassen. Die moderne Schule sieht Ausbildung immer aus der Sicht des Hundes und der konkreten Beziehung. Deshalb ist sie so erfolgreich.

Das ist ein Prinzip des Superlernens: wie stellt sich jeder Ausbildungsschritt aus der Sicht des Hundes dar?

Deshalb ähnlich in der Fährtenarbeit. Will ich, dass der Hund sich steuern lässt? Dann muß er wenn er im Winkel nach Meinung des HF falsch abbiegt, sich auf Leinenruck sofort umorientieren. Man darf dann nicht gleichzeitig erwarten, dass er sich gegen einen Leinenruck durchsetzt, wenn er auf der richtigen Fährte ist, aber der HF meint, dass er auf der falschen ist. Nur aus Sicht des HF, der den Fährtenverlauf kennt, ist er richtig bzw. falsch. Aus Sicht des Hundes handelt er selbst immer erstmal richtig bis er sich selbst korrigiert, sonst wäre er ja nicht falsch abgebogen. Mit Widerstandsverhalten lässt sich die Annahme oder das Ignorieren des Leinenrucks nicht erklären. Es ist einfach eine Sache der Ausbildung: soll er sich auf Leinenruck umorientieren oder nicht? Mit Widerstandsverhalten hat das nichts zu tun. Ein passives Blockieren durch den HF bei erkennbarem falschen Abbiegen dagegen lockt nicht ein Widerstandsverhalten, sondern ein Alternativverhalten. Das ist was anderes. In der Prüfung bei nicht sichtbarem Fährtenverlauf ist der Hund, der nicht auf Leinenruck und ggfs. Widerstandsverhalten angewiesen ist, im Vorteil.

Widerstandsfähigkeit ist nicht gleich Rebellion und das Gegenteil ist nicht gleich Anpassung. Zu den Faktoren der Widerstandsfähigkeit gehört auch Optimismus. Der im Superlernen ausgebildete Hund ist grundsätzlich optimistisch, auch wenn er nicht gleich zum Erfolg kommt. Er bietet dann ein anderes Verhalten an (deshalb das freie Formen im Grundaufbau). Der falsch ausgebildete Pressinghund nach Plan A bis Z wird dann pessimistisch: aufgeben bzw. rebellieren. Beides ist nicht produktiv in der erfolgsorientierten Ausbildung.