13-03-2018, 10:03
Hallo Martin,
und da ist eben der Unterschied zwischen positiver Motivation und "Will to Please" bzw. "intrinsischer Motivation".
Ich beschreibe das mal bewusst stereotyp, also sehr einseitig und quasi jede Methode isoliert. Natürlich wird da meistens gemischt.
Die Ausbildung nach positiver Motivation (streng genommen) hat Raiser damals schon umrissen: "Machste, kriegste". Also, wenn der Hund etwas macht, bekommt er eine Bestätigung in Form von Ball oder Futter. Das ist eben vergleichbar mit einem Menschen der zur Arbeit geht. Er tut dieses, um Geld zu bekommen und arbeitet vielleicht mehr, um mehr Geld zu bekommen. Dabei ist es egal, ob die Arbeit nun Spaß macht oder nicht bzw. sie neutral und als nicht notwendig gesehen wird. Ein menschlicher Arbeiter, der nur wegen seinem Lohn arbeitet, ist in der Regel ein reiner Opportunist. Identifiziert er sich nicht mit seiner Firma oder seinem Job, ist er sofort weg, wenn ihn ein anderes Unternehmen mehr Geld zahlt. Andererseits: Hat er ein tolles Umfeld, einen tollen Job, macht ihm die Arbeit Spaß und ist es für ihn sinnstiftend, dann wird er auch für ein paar Euro mehr die Firma nicht wechseln und das Geld ist dann nicht mehr der Hauptgrund, warum er in der Firma arbeitet. Er würde es nicht ohne Geld tun, aber er sieht seine Bezahlung auch nicht mehr als einzigen Sinn und Zweck.
So ist es mit einem rein über positive Verstärkung ausgebildeten Hund auch. Der läuft auch genauso neben einem wildfremden Menschen her, wenn er den Ball oder das Futter hat. Der Mensch dahinter ist ihm ziemlich egal, er bedeutet ihm nichts.
Der negative Effekt dabei ist: Ein Hund ist nicht doof und hat eine gute Nase. Mit zunehmender Prüfungserfahrung weiß der Hund, ob da nun heute ein Ball in der Tasche ist oder nicht. Da wird dann mit allerlei Tricks gearbeitet, es wird so getan als ob, eine zweite Person nimmt den Ball vorher ab, fischt ihn heimlich aus der Tasche oder sonstiges. Kurz: Man versucht seinen Hund zu verarschen. Und Hunde sind nicht doof... die merken das meistens und die lassen sich schlecht verarschen. Und wenn dann nach ein paar Prüfungen der Hund das Spiel kennt und weiß, dass es keinen Ball gibt, dann arbeitet er auch nicht mehr... zumindest nicht mehr so toll. Der Hauptgrund, weswegen der Hund überhaupt etwas tut (die Bestätigung) fehlt. Daher sieht der Hund keinen Anlass mehr etwas zu tun. Und dann kommt eben die viel zitierte "Absicherung" dazu und das alles wird dann nochmal mit Zwang belegt, damit der Hund weiß: "er muss"... was sich dann aber wieder meistens auf die Stimmung auswirkt.
Die Idee bei der intrinsischen Motivation oder dem "Will to Please" besteht eben darin, eine stark emotionale Komponente da mir rein zu bringen. Der Hundeführer gibt ständig Feedback an den Hund, bereits in der Arbeit. Er lobt überschwänglich, bringt viel Stimme und Emotion in die Arbeit und quittiert natürlich auch falsches Verhalten entsprechend. Dadurch tritt die Bestätigung, also das Triebziel, immer mehr in den Hintergrund. Der Hund arbeitet zwar trotzdem dafür, aber nicht mehr ausschließlich. Der Ball oder Futter ist nur noch ein Verstärker aber nicht mehr der Hauptgrund oder das Hauptziel für die Arbeit.
Das setzt natürlich eine gute Bindung und auch eine gute Einordnung des Hundes mit seinem Hundeführer voraus. Und eben auch einen fairen und vertrauensvollen Umgang 24 Stunden am Tag, nicht nur auf dem Hundeplatz. Der Hund muss das Lob und die Emotionen glauben und es muss dem Hund etwas bedeuten. Bin ich zu Hause oder im Alltag unfair zu meinem Hund, dann verspiele ich mir das und er glaubt mir das auf dem Platz auch nicht mehr.
Viele Grüße
Sören
und da ist eben der Unterschied zwischen positiver Motivation und "Will to Please" bzw. "intrinsischer Motivation".
Ich beschreibe das mal bewusst stereotyp, also sehr einseitig und quasi jede Methode isoliert. Natürlich wird da meistens gemischt.
Die Ausbildung nach positiver Motivation (streng genommen) hat Raiser damals schon umrissen: "Machste, kriegste". Also, wenn der Hund etwas macht, bekommt er eine Bestätigung in Form von Ball oder Futter. Das ist eben vergleichbar mit einem Menschen der zur Arbeit geht. Er tut dieses, um Geld zu bekommen und arbeitet vielleicht mehr, um mehr Geld zu bekommen. Dabei ist es egal, ob die Arbeit nun Spaß macht oder nicht bzw. sie neutral und als nicht notwendig gesehen wird. Ein menschlicher Arbeiter, der nur wegen seinem Lohn arbeitet, ist in der Regel ein reiner Opportunist. Identifiziert er sich nicht mit seiner Firma oder seinem Job, ist er sofort weg, wenn ihn ein anderes Unternehmen mehr Geld zahlt. Andererseits: Hat er ein tolles Umfeld, einen tollen Job, macht ihm die Arbeit Spaß und ist es für ihn sinnstiftend, dann wird er auch für ein paar Euro mehr die Firma nicht wechseln und das Geld ist dann nicht mehr der Hauptgrund, warum er in der Firma arbeitet. Er würde es nicht ohne Geld tun, aber er sieht seine Bezahlung auch nicht mehr als einzigen Sinn und Zweck.
So ist es mit einem rein über positive Verstärkung ausgebildeten Hund auch. Der läuft auch genauso neben einem wildfremden Menschen her, wenn er den Ball oder das Futter hat. Der Mensch dahinter ist ihm ziemlich egal, er bedeutet ihm nichts.
Der negative Effekt dabei ist: Ein Hund ist nicht doof und hat eine gute Nase. Mit zunehmender Prüfungserfahrung weiß der Hund, ob da nun heute ein Ball in der Tasche ist oder nicht. Da wird dann mit allerlei Tricks gearbeitet, es wird so getan als ob, eine zweite Person nimmt den Ball vorher ab, fischt ihn heimlich aus der Tasche oder sonstiges. Kurz: Man versucht seinen Hund zu verarschen. Und Hunde sind nicht doof... die merken das meistens und die lassen sich schlecht verarschen. Und wenn dann nach ein paar Prüfungen der Hund das Spiel kennt und weiß, dass es keinen Ball gibt, dann arbeitet er auch nicht mehr... zumindest nicht mehr so toll. Der Hauptgrund, weswegen der Hund überhaupt etwas tut (die Bestätigung) fehlt. Daher sieht der Hund keinen Anlass mehr etwas zu tun. Und dann kommt eben die viel zitierte "Absicherung" dazu und das alles wird dann nochmal mit Zwang belegt, damit der Hund weiß: "er muss"... was sich dann aber wieder meistens auf die Stimmung auswirkt.
Die Idee bei der intrinsischen Motivation oder dem "Will to Please" besteht eben darin, eine stark emotionale Komponente da mir rein zu bringen. Der Hundeführer gibt ständig Feedback an den Hund, bereits in der Arbeit. Er lobt überschwänglich, bringt viel Stimme und Emotion in die Arbeit und quittiert natürlich auch falsches Verhalten entsprechend. Dadurch tritt die Bestätigung, also das Triebziel, immer mehr in den Hintergrund. Der Hund arbeitet zwar trotzdem dafür, aber nicht mehr ausschließlich. Der Ball oder Futter ist nur noch ein Verstärker aber nicht mehr der Hauptgrund oder das Hauptziel für die Arbeit.
Das setzt natürlich eine gute Bindung und auch eine gute Einordnung des Hundes mit seinem Hundeführer voraus. Und eben auch einen fairen und vertrauensvollen Umgang 24 Stunden am Tag, nicht nur auf dem Hundeplatz. Der Hund muss das Lob und die Emotionen glauben und es muss dem Hund etwas bedeuten. Bin ich zu Hause oder im Alltag unfair zu meinem Hund, dann verspiele ich mir das und er glaubt mir das auf dem Platz auch nicht mehr.
Viele Grüße
Sören

