08-01-2018, 14:01
Heinz.S,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/26294-langer-Gang/?postID=181880#post181880 schrieb:Heute wird das durchziehen doch von Anfang an trainiert,je schneller,je besser.Ja,und auch ich finde das spektakulär,wenn ein Hund rasant nachsetzt,aber ob das heute ein Kriterium ist,an der man die Hundequalität messen sollte,eher nein.Speziell den Malis unterstelle ich mal,das diese Übung aus einem Bereich heraus geschieht,der mit Beute in jeglicher Form nur noch wenig zu tun hat.Ich hab selbst noch keine Bezeichnung gefunden,wie man das gerecht nennen könnte,es ist aber faszinierend und erschreckend zugleich.
Hallo Heinz,
beim typischen, modernen Mali, der stark angekratzt in den Nerven agiert, trifft es der Begriff "lange Flucht" teilweise schon ganz gut. Er flüchtet in den Ärmel... habe da sehr viele Hunde gesehen, die teilweise gebissen haben wie die Bescheuerten, aber mit allem "ohne Beißen" Probleme angezeigt haben. Für die ganz große Bühne sind solche Hunde auch nichts, da sind dann schon stabilere Nerven notwendig, aber grundsätzlich kann man sagen: je flatteriger der Hund, desto mehr scheppert das im langen Teil. Das beobachtet man im Übrigen auch bei den Schäferhunden oder anderen Rassen. Eine Aussage über Hundequalität nach dem Motto "je schneller, desto besser der Hund" lässt sich da schon lange nicht mehr treffen. Da schaue ich eher in die Belastungsphase, die Bewachungen und die Aktivität und Dominanz bei der direkten Auseinandersetzung mit dem Helfer.... und wie viel "Wumms" auf kurze Distanz drin steckt, also z. B. bei den Wiederangriffen.
Natürlich spielt beim Thema Geschwindigkeit die Ausbildung eine entscheidende Rolle. Ich sehe das anders bzw. etwas differenzierter, was die Anforderungen der PO angeht. Ein Hund, der "normal" ohne Konflikte, Stress und irgendwelchen Defiziten in den Helfer geht, bekommt genauso ein "V" wie einer, der den Helfer zwei Mal um die eigene Achse dreht. Abwertungen weil es vielleicht "noch schneller geht" sind fatal, nicht zielführend und meiner Ansicht nach auch falsch. Aber das betrifft viele Übungen im IPO.
Nochmal zur Ausbildung: Ein Helfer, der nicht richtig abfangen kann, wird auch keine schnellen Hunde ausbilden können. Das eine bedingt das andere. Daher sehe ich auch hier das Verletzungsrisiko eines vom Bewegungsablaufs her eingeschränkten Helfers, beim Übungsbetrieb mit von ihm selbst aufgebauten Hunden, gegenüber eines talentierten Helfers, der daher viele "Geschosse" auf dem Platz hat, nicht größer an. Fatal wird es, wenn plötzlich ein Hundesportler, dessen Hund von einem agilen und beweglichen Helfer aufgebaut und auf Tempo getrimmt wurde, zu einem Helfer mit geringeren Fähigkeiten wechselt. Oder wenn in Wettkämpfen Helfer eingesetzt werden, die den Anforderungen nicht mehr gewachsen sind.
Dieses löst man aber nicht durch Änderung der PO oder durch veränderte Richtweise. Hunde mit entsprechenden Anlagen, die etwas hibbelig in den Nerven sind, werden automatisch sehr schnell, wenn sie immer sicher und sauber abgefangen werden und sie keine negativen Erfahrungen machen. Es ist gar nicht notwendig so etwas gezielt auszubilden. Dieses teilweise "ungesunde Tempo" kommt durch immer bessere Helfer, immer weniger Konflikte in der Ausbildung und eines immer mehr an der PO angelehnten, schematischen Trainings. Gezielt am Tempo arbeiten ist häufig nicht notwendig... das kommt durch Sicherheit und positive Verstärkung von selber. Und wie man einen Hund "langsamer macht", ohne dass es zu Lasten der Selbstsicherheit, des Griffes oder der Grundstimmung geht, konnte mir auch noch nie jemand erklären.
Im Übrigen passieren, zumindest nach meinem subjektiven Empfinden, die meisten Unfälle mittlerweile beim Angriff aus dem Rückentransport und nicht mehr im langen Teil.
Viele Grüße
Sören


