15-11-2016, 19:11
Ich möchte zu zwei unterschiedlichen Dingen meinen Senf dazu geben:
1. Es hat Vor- und Nachteile, auf die IPO-Prüfung für Zuchttiere zu verzichten. Zu den Vorteilen gehört, dass eine bestimmte Gruppe, nämlich die der Körmeister, die die alternative Zuchtprüfung abnehmen, einen recht repräsentativen Überblick über die Nachzucht einer Rasse bekommt. Wenn man diese Erfahrungswerte nutzen würde, um bei den Zuchtprüfungen nachzusteuern, also festgestellten negativen Entwicklungen in der Nachzucht zeitnah gegenzusteuern, dann wäre das ein Instrument, das der in dieser Hinsicht ungenaueren und nicht rassespezifisch wandelbaren IPO als Zuchtinstrument sogar überlegen sein könnte. Leider wird das aber so in kaum einem Zuchtverband wirklich gehandhabt. Man muss auch bedenken: Bei der Zuchtprüfung tauchen all die strukturellen Probleme wieder auf, die man auch mit der PO-Prüfung hat - wie Käuflichkeit von Prüfungen, mangelnde Qualifikation der Beurteiler, Interessenabhängigkeit der Urteilskriterien etc. Das alles hört nicht auf zu existieren, nur weil man es mit Zuchtprüfungen und nicht mit Sportprüfungen zu tun hat. Außerdem bleibt die IPO insofern wichtig, als sie Kriterien dafür setzt, was wir überhaupt als wichtige Leistungen auch in Zuchtprüfungen ansehen. Eine gute Zuchtprüfung wäre meines Erachtens eine, die Kerntalente in Nasenarbeit, Gehorsam u. SD und darüber hinaus Umweltsicherheit abfragt. Ich habe mich wirklich viel mit den Zuchtprüfungen der verschiedenen Gebrauchshundevereine beschäftigt: Ich sehe keine, die das wirklich leisten würde, obwohl mir Vereine einfallen, die sich mit der Entwicklung des Designs ihrer Zuchtprüfungen wirklich viel Mühe gegeben haben.
2. Ich hatte oben wie Sören schon einmal auf die 60-Punkte-Regel (gemeint ist das mögliche Bestehen mit 60 Punkten) hingewiesen. Wie Sören glaube ich, dass das Bestehen mit 60 Punkten, im Vergleich zu den heutigen Verhältnissen, auf die von ihm beschriebenen zwei Alternativen in der Beurteilungspraxis hinauslaufen könnte. Anders als Sören halte ich aber die zweite von ihm genannte Variante für unwahrscheinlich: Ich glaube nicht, dass die Masse der LRs in kurzer Zeit in ihrer Praxis so umgestellt werden kann. Das soll gar keine Richterschelte sein: Ich glaube einfach, dass das praktisch enorm schwierig wäre. Menschen, und nicht nur LRs, sind, bezogen auf jahrzehntelange Praktiken, nicht so wahnsinnig schnell wandlungsfähig. Ich finde es völlig richtig, den Einstieg in den IPO-Sport zu vereinfachen, also das Erlangen der IPO-1 zu erleichtern. Ich würde das aber nicht über die Absenkung auf 60 Punkte, sondern über ein verändertes Prüfungsdesign (Reduktion auf Kernübungen) tun. Ich habe es oben schon einmal erwähnt: Meine Schwierigkeiten mit der Absenkung auf 60 Punkte sind fast ästhetischer Art. Ich stelle mir einfach vor, wie die Vorführung eines Hundes, der nach heutiger Weise mit 60 Punkten bewertet wird, aussieht. Ich frage mich, ob eine solche Vorführung für unseren Sport wirbt. Und um diese Werbung soll es doch gehen: Menschen sollen stärker verlockt werden, in das Prüfungswesen einzusteigen. Das ist dann ein Hund, der sich z. B. bei den technischen Übungen einen Großraumfehler erlaubt (also z. B. die Kommandos verwechselt oder die Position verlässt), der das Bringholz fallen lässt, der statt des Vorsitzes mal eben lieber gleich in die Grundstellung schleicht etc. An so etwas denke ich. Es geht mir nicht um die abstrakte Punktzahl, sondern um die Frage, wie das aussehen soll, was man als bestandene Prüfung ansehen will. Bei veränderter Wertungspraxis kann zweifellos auch eine 60-Punkte-Leistung hinreichend gut wirken, aber an die Veränderung in der Wertungspraxis zu glauben fällt mir, wie gesagt, schwer.
Wäre es da nicht vergleichsweise einfacher und sinnvoller, eine auf Kernübungen beschränkte IPO-1 zu entwerfen, deren wenige, aber grundlegende Übungen dann allerdings annehmbar auszuführen sind, gleichzeitig aber 2. eine Wettkampfprüfungsordnung zu entwerfen (gewissermaßen eine IPO-3-fin.), die spätenstens auf Ausscheidungsebene anzuwenden ist und die es dann, was den Schwierigkeitsgrad betrifft, noch einmal richtig in sich hat?
1. Es hat Vor- und Nachteile, auf die IPO-Prüfung für Zuchttiere zu verzichten. Zu den Vorteilen gehört, dass eine bestimmte Gruppe, nämlich die der Körmeister, die die alternative Zuchtprüfung abnehmen, einen recht repräsentativen Überblick über die Nachzucht einer Rasse bekommt. Wenn man diese Erfahrungswerte nutzen würde, um bei den Zuchtprüfungen nachzusteuern, also festgestellten negativen Entwicklungen in der Nachzucht zeitnah gegenzusteuern, dann wäre das ein Instrument, das der in dieser Hinsicht ungenaueren und nicht rassespezifisch wandelbaren IPO als Zuchtinstrument sogar überlegen sein könnte. Leider wird das aber so in kaum einem Zuchtverband wirklich gehandhabt. Man muss auch bedenken: Bei der Zuchtprüfung tauchen all die strukturellen Probleme wieder auf, die man auch mit der PO-Prüfung hat - wie Käuflichkeit von Prüfungen, mangelnde Qualifikation der Beurteiler, Interessenabhängigkeit der Urteilskriterien etc. Das alles hört nicht auf zu existieren, nur weil man es mit Zuchtprüfungen und nicht mit Sportprüfungen zu tun hat. Außerdem bleibt die IPO insofern wichtig, als sie Kriterien dafür setzt, was wir überhaupt als wichtige Leistungen auch in Zuchtprüfungen ansehen. Eine gute Zuchtprüfung wäre meines Erachtens eine, die Kerntalente in Nasenarbeit, Gehorsam u. SD und darüber hinaus Umweltsicherheit abfragt. Ich habe mich wirklich viel mit den Zuchtprüfungen der verschiedenen Gebrauchshundevereine beschäftigt: Ich sehe keine, die das wirklich leisten würde, obwohl mir Vereine einfallen, die sich mit der Entwicklung des Designs ihrer Zuchtprüfungen wirklich viel Mühe gegeben haben.
2. Ich hatte oben wie Sören schon einmal auf die 60-Punkte-Regel (gemeint ist das mögliche Bestehen mit 60 Punkten) hingewiesen. Wie Sören glaube ich, dass das Bestehen mit 60 Punkten, im Vergleich zu den heutigen Verhältnissen, auf die von ihm beschriebenen zwei Alternativen in der Beurteilungspraxis hinauslaufen könnte. Anders als Sören halte ich aber die zweite von ihm genannte Variante für unwahrscheinlich: Ich glaube nicht, dass die Masse der LRs in kurzer Zeit in ihrer Praxis so umgestellt werden kann. Das soll gar keine Richterschelte sein: Ich glaube einfach, dass das praktisch enorm schwierig wäre. Menschen, und nicht nur LRs, sind, bezogen auf jahrzehntelange Praktiken, nicht so wahnsinnig schnell wandlungsfähig. Ich finde es völlig richtig, den Einstieg in den IPO-Sport zu vereinfachen, also das Erlangen der IPO-1 zu erleichtern. Ich würde das aber nicht über die Absenkung auf 60 Punkte, sondern über ein verändertes Prüfungsdesign (Reduktion auf Kernübungen) tun. Ich habe es oben schon einmal erwähnt: Meine Schwierigkeiten mit der Absenkung auf 60 Punkte sind fast ästhetischer Art. Ich stelle mir einfach vor, wie die Vorführung eines Hundes, der nach heutiger Weise mit 60 Punkten bewertet wird, aussieht. Ich frage mich, ob eine solche Vorführung für unseren Sport wirbt. Und um diese Werbung soll es doch gehen: Menschen sollen stärker verlockt werden, in das Prüfungswesen einzusteigen. Das ist dann ein Hund, der sich z. B. bei den technischen Übungen einen Großraumfehler erlaubt (also z. B. die Kommandos verwechselt oder die Position verlässt), der das Bringholz fallen lässt, der statt des Vorsitzes mal eben lieber gleich in die Grundstellung schleicht etc. An so etwas denke ich. Es geht mir nicht um die abstrakte Punktzahl, sondern um die Frage, wie das aussehen soll, was man als bestandene Prüfung ansehen will. Bei veränderter Wertungspraxis kann zweifellos auch eine 60-Punkte-Leistung hinreichend gut wirken, aber an die Veränderung in der Wertungspraxis zu glauben fällt mir, wie gesagt, schwer.
Wäre es da nicht vergleichsweise einfacher und sinnvoller, eine auf Kernübungen beschränkte IPO-1 zu entwerfen, deren wenige, aber grundlegende Übungen dann allerdings annehmbar auszuführen sind, gleichzeitig aber 2. eine Wettkampfprüfungsordnung zu entwerfen (gewissermaßen eine IPO-3-fin.), die spätenstens auf Ausscheidungsebene anzuwenden ist und die es dann, was den Schwierigkeitsgrad betrifft, noch einmal richtig in sich hat?


