17-03-2016, 20:03
Walter Schmidt,'http://www.leistungshundeforum.de/index.php/Thread/24122-Antijagdtraining/?postID=171282#post171282 schrieb:Du gehst stets davon aus, dass der Hund schon von klein an "Superlernen" kennt, tut er aber meist nicht.
Superlernen kann der Hund von Geburt an. Hunde sind qua Natur Beziehungskünstler. Lernen findet bei Erziehung und Ausbildung immer innerhalb einer Beziehung statt. „Keine Strafe ist Lob genug“ ist auch superlernen, allerdings im negativen Sinne, denn es infiltriert die Beziehung nachhaltig. Beziehungslernen überwölbt und durchdringt das Lernverhalten insgesamt. So wie man nicht nicht kommunizieren kann, so kann der Hund biologisch bedingt nicht von der Beziehung abstrahieren. Dreht man an einem Schräubchen verstellt man das ganze System.
Die additiven Methoden berücksichtigen das nicht. Erst gibt es Plan A mit positiver Immerbestätigung, dann kommt Plan B mit ab und zu mal positiver Bestätigung, und am Ende kommen die Zwänge drauf. Oder man beginnt wie Nepopo immer mit einer unangenehmen Einwirkung und fügt dann die positive Bestätigung hinzu.
Wenn man nun einen solchen Hund umstellen will auf positives Superlernen, dann kann das nur gelingen, wenn man seine Einstellung zum Hund ändert.
Denn wenn eine Methode die Beziehungsdynamik nicht bewusst einkalkuliert, sondern rein additiv mal dies und mal das probiert, dann designt sie trotzdem Beziehung, in der Tat jedoch in eine schlimme Richtung. Deshalb hilft es oft nicht, wenn gesagt wird: probier doch mal Futtertreiben oder Ballbestätigung oder Stachelruck. Der HF klemmt sich dann brav den Futterbrocken zwischen die Finger, den Ball unter die Achsel, oder ruckt bei jedem Fehlverhalten, läuft vielleicht die tollsten Figuren auf dem Platz und stellt am Ende doch fest: funzt immer noch nicht so richtig.
Das bewusst betriebene Superlernen aber ist nicht additiv sondern integrativ. Zum Superlernen gehört nicht nur das schon beschriebene aktive Versöhnungsverhalten, sondern auch das aktive Lernverhalten, das durch Nutzung des Meuteverhaltens gefördert werden kann und das aktive Kooperationsverhalten, was durch differenzierte Rückkopplungen genährt wird.
Eine „Komfortzone“, wo der Hund als einzige Rückkopplung erfährt, dass ihm bei bestimmtem Verhalten kein Aua passsiert, produziert keine Begeisterung beim Hund. Im Sport aber brauchen wir Begeisterung, sonst haben wir nur Arbeitssklaven, die ein Programm abspulen. Dann wird zur Rechtfertigung gesagt, dass Arbeit und Freude sich eben ausschliessen und dass eine solche Komfortausbildung eben zeigt, was vom Hund übrig bleibt, also den eigentlichen Kern offenbart und damit zuchtwertvoll sei. Dabei ist es genau umgekehrt: der Hund wurde systematisch durch negatives Superlernen daran gehindert, sein volles Potenzial zu entfalten. Offen zu legen, was alles im Hund an Potenzial steckt, wäre wirklich zuchtwertvoll.

