11-03-2016, 19:03
Schade, dass es so argumentationsschwach auf billigem Niveau abgebügelt wird.
Falls es auch für einige zu kompliziert rübergekommen ist, hier mal in einfachen Worten der Hintergrund.
Früher glaubte man, dass „keine Strafe ist Lob genug“ fit für das Leben macht. Man wird abgehärtet (was einen nicht umbringt, macht einen nur stärker“) und dass Lob nur eitel, faul macht und verweichlicht.
Man frage mal seine Großeltern. Die können sich nicht erinnern, dass sie jemals wirklich herzlich vom Vater gelobt wurden. Und wie sie darunter gelitten haben und ein Leben lang versucht haben, ihm doch noch zu imponieren und dabei oft ihren eigenen Weg viel zu spät erkannt haben.
Dann fand die Forschung heraus, dass Lob das Selbstbewußtsein stärkt und widerstandsfähig gegen die Härten des Lebens macht. Die Gelobten konnten Krisen besser bewältigen als die Nichtgelobten.
Manche Eltern haben später das übertrieben und ihre Kinder für jeden Pipifax gelobt, so dass das Lob wertlos wurde und sie sich eigentlich auch nur alleine fühlten, wie ihre Eltern, oder ihr ganzes Leben auf Dauerlob (und sei es heute in Form von Likes) angewiesen waren, um sich zu stabilisieren.
Die Geschichte der Hundeausbildung verlief ziemlich parallel zur Geschichte der Kindererziehung.
Mit dem Clicker kam dann der Glaube an das Konditionieren auf. Je technischer und emotionsloser um so besser. Jeder, der Anfänger beeindrucken wollte, erklärte ungefragt, den Unterschied zwischen den Konditionierungsformen KK, IK/OK.
In der Kinderpödagogik wurde sich schon etwas länger drauf bezogen und man setzte gnadenlos auf Selbstkonditionierung/Selbsterfahrung und überließ die Kinder steuerungslos sich selbst. Fast technisch auch hier: nicht kommentieren, das finden die Kinder alles durch Versuch und Irrtum selbst raus: die Kinder konditionieren sich selbst, war das Credo der ganz Modernen.
Dann kam bei den Hunden die Phase Clicker plus Emotion und bei den Kindern nur die Leistung loben aber nie das Kind im Ganzen und ansonsten Fehlverhalten ignorieren. In der Pädagogik wurde das beziehungslose Lernen gepredigt. Der Lehrer als neutraler Wissenvermittler, der Kompetenzangebote macht, aus denen der Schüler dann wählen kann. Was ist aber, wenn weder Kind noch Hund Bock haben aus gut gemeinten Angeboten zu wählen?
Inzwischen ist Ergebnis der neuesten Forschung, die sich natürlich noch nicht praktisch allgemein durchgesetzt hat, dass Beziehung doch das Wichtigste ist bei der Herausbildung von Lernverhalten und bei der Bewältigung der Krisen des Lebens (für den Hund ist eine Prüfung so eine Krise). Der Mensch also wesentlich emotional gesteuert ist und nicht rational (peinliche Erkenntnis für die selbsterklärte Krone der Schöpfung). So wie Hunde nicht mit Zuckerbrot und Peitsche oder Clicker und ignorieren allein optimal ausgebildet werden können, sondern vor allem durch Beziehung und gezeigte Emotionen des HF. Das Supra-/Superlernen wurden entdeckt und bewiesen, als man ins arbeitende Gehirn schauen konnte.
Es geht also nicht um Abhärtung gegen Verweichlichung (vom Prügelvater zum Hippievater, von der kalten Mutter zur Glucke), sondern um Umsetzung der modernen Erkenntnisse. Dabei wird ja nicht alles falsch, was vorher war. In der Hundeausbildung z.B. kann das Superlernen die letzten 10% aus dem Hund kitzeln, die dann den Unterschied auf großen Prüfungen machen.
Überzeugen wird man die Leute nicht durch ausführliches Erlären der modernen Erkenntnisse (denn sie sind sicher, das alle Theorie grau ist, d.h. keine Praxisrelevanz hat), sondern nur durch sichtbar bessere Ergebnisse. Eigentlich könnte man da schon in der Hundewelt fündig werden, wenn man mal über den Tellerrand von Pressing, Zuckerbrot und Peitsche hinaus gucken würde. Da nennt man das allerdings nicht Superlernen, denn man will nicht überheblich klingen. Aber der Begriff „konditionieren“ kommt zum Glück auch nicht mehr vor. Man sagt „lernen“, und das ist ja im Unterschied zu „konditionieren“ ja nicht nur korrekt, sondern auch umfassender.
Mich erinnert die argumentativ schlichte Abwehr des Superlernens hier an die frühere Abwehr gegen jede Form des Clickerns. Schauen wir einfach in 10 Jahren nochmal vorbei? Oder ist „keine Strafe ist Lob genug“ unausrottbar, weil sonst Selbstgewissheiten (ich wurde auch nicht groß gelobt und trotzdem ist was aus mir geworden, und meine Hunde haben alle die 3 im V geschafft) aufgegeben werden müssten? Da müssten wir dann warten bis eine ganze Generation von älteren HF ausgestorben ist.
Falls es auch für einige zu kompliziert rübergekommen ist, hier mal in einfachen Worten der Hintergrund.
Früher glaubte man, dass „keine Strafe ist Lob genug“ fit für das Leben macht. Man wird abgehärtet (was einen nicht umbringt, macht einen nur stärker“) und dass Lob nur eitel, faul macht und verweichlicht.
Man frage mal seine Großeltern. Die können sich nicht erinnern, dass sie jemals wirklich herzlich vom Vater gelobt wurden. Und wie sie darunter gelitten haben und ein Leben lang versucht haben, ihm doch noch zu imponieren und dabei oft ihren eigenen Weg viel zu spät erkannt haben.
Dann fand die Forschung heraus, dass Lob das Selbstbewußtsein stärkt und widerstandsfähig gegen die Härten des Lebens macht. Die Gelobten konnten Krisen besser bewältigen als die Nichtgelobten.
Manche Eltern haben später das übertrieben und ihre Kinder für jeden Pipifax gelobt, so dass das Lob wertlos wurde und sie sich eigentlich auch nur alleine fühlten, wie ihre Eltern, oder ihr ganzes Leben auf Dauerlob (und sei es heute in Form von Likes) angewiesen waren, um sich zu stabilisieren.
Die Geschichte der Hundeausbildung verlief ziemlich parallel zur Geschichte der Kindererziehung.
Mit dem Clicker kam dann der Glaube an das Konditionieren auf. Je technischer und emotionsloser um so besser. Jeder, der Anfänger beeindrucken wollte, erklärte ungefragt, den Unterschied zwischen den Konditionierungsformen KK, IK/OK.
In der Kinderpödagogik wurde sich schon etwas länger drauf bezogen und man setzte gnadenlos auf Selbstkonditionierung/Selbsterfahrung und überließ die Kinder steuerungslos sich selbst. Fast technisch auch hier: nicht kommentieren, das finden die Kinder alles durch Versuch und Irrtum selbst raus: die Kinder konditionieren sich selbst, war das Credo der ganz Modernen.
Dann kam bei den Hunden die Phase Clicker plus Emotion und bei den Kindern nur die Leistung loben aber nie das Kind im Ganzen und ansonsten Fehlverhalten ignorieren. In der Pädagogik wurde das beziehungslose Lernen gepredigt. Der Lehrer als neutraler Wissenvermittler, der Kompetenzangebote macht, aus denen der Schüler dann wählen kann. Was ist aber, wenn weder Kind noch Hund Bock haben aus gut gemeinten Angeboten zu wählen?
Inzwischen ist Ergebnis der neuesten Forschung, die sich natürlich noch nicht praktisch allgemein durchgesetzt hat, dass Beziehung doch das Wichtigste ist bei der Herausbildung von Lernverhalten und bei der Bewältigung der Krisen des Lebens (für den Hund ist eine Prüfung so eine Krise). Der Mensch also wesentlich emotional gesteuert ist und nicht rational (peinliche Erkenntnis für die selbsterklärte Krone der Schöpfung). So wie Hunde nicht mit Zuckerbrot und Peitsche oder Clicker und ignorieren allein optimal ausgebildet werden können, sondern vor allem durch Beziehung und gezeigte Emotionen des HF. Das Supra-/Superlernen wurden entdeckt und bewiesen, als man ins arbeitende Gehirn schauen konnte.
Es geht also nicht um Abhärtung gegen Verweichlichung (vom Prügelvater zum Hippievater, von der kalten Mutter zur Glucke), sondern um Umsetzung der modernen Erkenntnisse. Dabei wird ja nicht alles falsch, was vorher war. In der Hundeausbildung z.B. kann das Superlernen die letzten 10% aus dem Hund kitzeln, die dann den Unterschied auf großen Prüfungen machen.
Überzeugen wird man die Leute nicht durch ausführliches Erlären der modernen Erkenntnisse (denn sie sind sicher, das alle Theorie grau ist, d.h. keine Praxisrelevanz hat), sondern nur durch sichtbar bessere Ergebnisse. Eigentlich könnte man da schon in der Hundewelt fündig werden, wenn man mal über den Tellerrand von Pressing, Zuckerbrot und Peitsche hinaus gucken würde. Da nennt man das allerdings nicht Superlernen, denn man will nicht überheblich klingen. Aber der Begriff „konditionieren“ kommt zum Glück auch nicht mehr vor. Man sagt „lernen“, und das ist ja im Unterschied zu „konditionieren“ ja nicht nur korrekt, sondern auch umfassender.
Mich erinnert die argumentativ schlichte Abwehr des Superlernens hier an die frühere Abwehr gegen jede Form des Clickerns. Schauen wir einfach in 10 Jahren nochmal vorbei? Oder ist „keine Strafe ist Lob genug“ unausrottbar, weil sonst Selbstgewissheiten (ich wurde auch nicht groß gelobt und trotzdem ist was aus mir geworden, und meine Hunde haben alle die 3 im V geschafft) aufgegeben werden müssten? Da müssten wir dann warten bis eine ganze Generation von älteren HF ausgestorben ist.

