11-09-2014, 23:09
@ Dumbledore,
in manchem hast Du recht. Ich habe tatsächlich eine Tendenz, auf die Aussagekraft für die Zucht zu achten; und einiges von dem, was ich beschrieben habe, hat kaum eine Chance, übernommen zu werden. Vor allem auch über Dein Argument für das Rückwärtsgehen werde ich nachdenken, obwohl ich es für nicht ganz zutreffend halte: Ich glaube, dass man das Rückwärtslaufen über Zwang sogar gut hinkriegen würde, nur – und da hast Du vollkommen recht – den Zwang würde man in den Bewegungen des Hundes extrem sehen! Nur gilt das doch auch für viele Übungen, die wir schon haben. Wo ist der Zugewinn? Ich verstehe auch nicht so ganz, warum so praktische Dinge wie die Ablage dir realitätsfern erscheinen, das Rückwärtslaufen aber nicht. Wann braucht jemand das? Du schreibst zu recht: Wir haben keine Diensthunde. Ja, aber Trickdogs auch nicht. Beim Schuss bleibe ich anderer Meinung als Du. Und ich denke, dass es einfach eine grundlegende Schwierigkeit darstellt, in einer sehr kurzen Prüfungszeit von ca. 8 Minuten UO die langfristige Verlässlichkeit von Gehorsam festzustellen. Da scheint mir weiterhin die Wiederholung ein wichtiges Element zu sein. Ich denke da nicht nur ans Fußgehen, sondern auch an die Wiederholung anderer Elemente, wie den Wechsel aus dem Vorsitz in die Grundstellung, das mehrfache Apportieren etc. Ich kann verstehen, dass man das als langweilig wahrnimmt (so erscheint es mir oft selbst), aber es stellt doch eine eigene Art der Belastung dar. Und das mit dem "Im Regen Liegen" ist so eine Sache: Du hast schon recht, da sieht man vor allem Ausbildung. (Aber nicht nur: wer etwas von der Körpersprache von Hunden versteht, sieht auch noch mehr.) Ich habe ja erläutert, warum ich die längere Ablage für praktisch sinnvoll halte: Sie ist es nicht mehr, wenn der Hund bei unangenehmen Reizen (wie Knallen oder Nässe) abhaut. Er muss tatsächlich zu einem verlässlichen Liegen gebracht werden können, und zwar so, dass er nicht etwa körpersprachlich Zwang anzeigt. Und ehrlich gesagt halte ich ein paar Minuten Regen (normalerweise ja kaum ein Wolkenbruch) für einen gesunden Hund nicht für ein Problem. Es entspricht sicher dem Geist der Zeit, alle Härten wegzunehmen, aber so nehmen wir uns die Möglichkeit, die robusten Tiere von weniger robusten unterscheiden zu können, und das ist langfristig wieder für die Zucht nicht wünschenswert.
Du fragst nach Anwendungen für das Vorauslaufen? Da erinnere ich mich an meine Jugend auf dem Land: Wenn ich auf einer Weide mit Bullen Kaninchenfutter suchen wollte, dann schickte ich meine Hündin quer über die Wiese und ließ sie an deren anderen Ende ablegen. Die Bullen rotteten sich zusammen und rückten geschlossen gegen den liegenden Hund vor. In ihrem Rücken konnte ich allein oder mit Freunden anstellen, was immer ich wollte – wenn sie gegen einen Hund vorgehen, haben Rindviecher kein Auge mehr für Menschen Und wenn ich fertig war oder die Rinder dem Hund zu nah auf die Pelle rückten, rief ich den Hund ab. War ich noch nicht fertig, dann ließ ich ihn auf halber Strecke zu mir wieder ablegen, dann hatten die Bullen wieder für eine Zeit etwas zu tun. Das konnte man so lange treiben, bis man weiter wollte, und dann rief man den Hund einfach ab. Zugegeben, das ist eine exotische Anwendung, die noch dazu nicht prüfungslike mit Abrufen statt mit Abholen endete, klappte aber ganz wunderbar! Und wie gesagt: Ich habe Hunde auch warten lassen, wenn ich kurz in einen Laden ging. Und auch da bin ich nicht immer zur Ablagestelle gegangen, sondern habe meinen Hund mit ausgestrecktem Arm an eine Stelle geschickt, an der er sich hinlegen sollte. Das ist weniger exotisch. Warum soll man immer mitgehen müssen, wenn man den Hund irgendwo hin haben will? Mich hat immer gewundert, dass ich das seltsamerweise tatsächlich kaum andere Menschen ihre Hunde schicken sehe. Wenn ein Hund das ein wenig gewohnt ist, klappt das im Alltag ganz wunderbar. Freilich muss er auch verlässlich liegen können (da sind wir wieder beim Thema Ablage und Störungen).
in manchem hast Du recht. Ich habe tatsächlich eine Tendenz, auf die Aussagekraft für die Zucht zu achten; und einiges von dem, was ich beschrieben habe, hat kaum eine Chance, übernommen zu werden. Vor allem auch über Dein Argument für das Rückwärtsgehen werde ich nachdenken, obwohl ich es für nicht ganz zutreffend halte: Ich glaube, dass man das Rückwärtslaufen über Zwang sogar gut hinkriegen würde, nur – und da hast Du vollkommen recht – den Zwang würde man in den Bewegungen des Hundes extrem sehen! Nur gilt das doch auch für viele Übungen, die wir schon haben. Wo ist der Zugewinn? Ich verstehe auch nicht so ganz, warum so praktische Dinge wie die Ablage dir realitätsfern erscheinen, das Rückwärtslaufen aber nicht. Wann braucht jemand das? Du schreibst zu recht: Wir haben keine Diensthunde. Ja, aber Trickdogs auch nicht. Beim Schuss bleibe ich anderer Meinung als Du. Und ich denke, dass es einfach eine grundlegende Schwierigkeit darstellt, in einer sehr kurzen Prüfungszeit von ca. 8 Minuten UO die langfristige Verlässlichkeit von Gehorsam festzustellen. Da scheint mir weiterhin die Wiederholung ein wichtiges Element zu sein. Ich denke da nicht nur ans Fußgehen, sondern auch an die Wiederholung anderer Elemente, wie den Wechsel aus dem Vorsitz in die Grundstellung, das mehrfache Apportieren etc. Ich kann verstehen, dass man das als langweilig wahrnimmt (so erscheint es mir oft selbst), aber es stellt doch eine eigene Art der Belastung dar. Und das mit dem "Im Regen Liegen" ist so eine Sache: Du hast schon recht, da sieht man vor allem Ausbildung. (Aber nicht nur: wer etwas von der Körpersprache von Hunden versteht, sieht auch noch mehr.) Ich habe ja erläutert, warum ich die längere Ablage für praktisch sinnvoll halte: Sie ist es nicht mehr, wenn der Hund bei unangenehmen Reizen (wie Knallen oder Nässe) abhaut. Er muss tatsächlich zu einem verlässlichen Liegen gebracht werden können, und zwar so, dass er nicht etwa körpersprachlich Zwang anzeigt. Und ehrlich gesagt halte ich ein paar Minuten Regen (normalerweise ja kaum ein Wolkenbruch) für einen gesunden Hund nicht für ein Problem. Es entspricht sicher dem Geist der Zeit, alle Härten wegzunehmen, aber so nehmen wir uns die Möglichkeit, die robusten Tiere von weniger robusten unterscheiden zu können, und das ist langfristig wieder für die Zucht nicht wünschenswert.
Du fragst nach Anwendungen für das Vorauslaufen? Da erinnere ich mich an meine Jugend auf dem Land: Wenn ich auf einer Weide mit Bullen Kaninchenfutter suchen wollte, dann schickte ich meine Hündin quer über die Wiese und ließ sie an deren anderen Ende ablegen. Die Bullen rotteten sich zusammen und rückten geschlossen gegen den liegenden Hund vor. In ihrem Rücken konnte ich allein oder mit Freunden anstellen, was immer ich wollte – wenn sie gegen einen Hund vorgehen, haben Rindviecher kein Auge mehr für Menschen Und wenn ich fertig war oder die Rinder dem Hund zu nah auf die Pelle rückten, rief ich den Hund ab. War ich noch nicht fertig, dann ließ ich ihn auf halber Strecke zu mir wieder ablegen, dann hatten die Bullen wieder für eine Zeit etwas zu tun. Das konnte man so lange treiben, bis man weiter wollte, und dann rief man den Hund einfach ab. Zugegeben, das ist eine exotische Anwendung, die noch dazu nicht prüfungslike mit Abrufen statt mit Abholen endete, klappte aber ganz wunderbar! Und wie gesagt: Ich habe Hunde auch warten lassen, wenn ich kurz in einen Laden ging. Und auch da bin ich nicht immer zur Ablagestelle gegangen, sondern habe meinen Hund mit ausgestrecktem Arm an eine Stelle geschickt, an der er sich hinlegen sollte. Das ist weniger exotisch. Warum soll man immer mitgehen müssen, wenn man den Hund irgendwo hin haben will? Mich hat immer gewundert, dass ich das seltsamerweise tatsächlich kaum andere Menschen ihre Hunde schicken sehe. Wenn ein Hund das ein wenig gewohnt ist, klappt das im Alltag ganz wunderbar. Freilich muss er auch verlässlich liegen können (da sind wir wieder beim Thema Ablage und Störungen).


