23-08-2012, 15:08
Detlef Berensmann,'index.php?page=Thread&postID=136161#post136161' schrieb:Reisender,'index.php?page=Thread&postID=136160#post136160' schrieb:Wie Du weißt, bin ich Ringsportfan und fühl mich dort zu Hause. Von daher würde ich der alten PO keine Träne nachweinen.hallo frank, wo liegen deiner meinung nach die unterschiede zwischen den beiden PO? was gefällt dir an der ringsport PO besser und warum?
Morgen Detlef,
nun, mit der VPG haben wir ein genormtes Programm, wobei die Ausführungsbestimmungen – z.B. wie soll „Fuß laufen“ aussehen, Einstellen, der Hund soll selbständig trennen oder vorher noch mal eine reinhauen- - von den Besten sowie den Richtern vorgegeben werden. Je nachdem, wie der aktuelle Hund so ist oder der Richter es schön findet.
Der Hund wird also dressiert, immer das Gleiche in einer bestimmten Form vorzuführen. Mittels verschiedener Methoden soll dieses Ziel erreicht werden. Ohne Stachelhalsband und Teletakt – sie sind ein Synonym für Zwangsausbildung. Dafür nur mit dem Clicker. Den nehme ich mal als Stellvertreter für alle anderen Methoden, da ich ihn kenne und benutze. In Seminaren lernt man die Methoden kennen. Nach dem Erwerb von diversen Leinchen, immer eine für einen Zweck und Täschen hier und Spezialbällchen dort (kann sein, dass sich hier Spuren von Sarkasmus offenbaren) geht’s dann los.
Oft stellt der Hundeführer fest, dass sein Liebling nicht in einem bestimmten Winkel sitzt und das rechte Ohr etwas direkter nach vorn und mit besserer Linkswinkelung stehen könnte. Dass die Granate von Hund mit dreifachen Salto über die Hürde gesprungen ist, ist unwichtig. Dass er nach einem 5 m Rücksprung und 3 m Vollbremsung leicht anstieß und etwas direkter hätte vorsitzen können – nun bitte nicht das rechte Ohr vergessen- kostet ihn (alles entscheidende) Punkte. Der Hund ist nicht gut, oft kommt dann Nachersatz. Die Existenz vieler Hunde hängt also an einer Laune des Richters. Im Ring dagegen: Es läuft die Zeit, der Hund bringt oder bringt nicht. Stellt ein oder nicht. Fertig.
Dieses „erfüllt die Aufgabe“ oder „hat Aufgabe nicht erfüllt“ in Zusammenarbeit mit der Stoppuhr macht für mich den wesentlichen Unterschied zwischen VPG und den Ringen aus. Zumal im letzteren der Herder ein viel härteres Programm zu erfüllen hat und bei den anderen offensiv gegen den Hund gearbeitet wird. Die Übungen sind zwar auch dort immer die gleichen, aber die Reihenfolge und die Art der Durchführung ist immer verschieden. Mit einer Ablaufdressur kommt man nicht sehr weit.
Auf manchen Prüfungen kann man sehen, wie dem Hund das Beißen noch ermöglicht wird, wie auch immer. Bei extremer Belastung durch Umweltreize oder durch harte Helferarbeit entfällt diese Möglichkeit der Schummelei.
Die Sprünge scheinen die Ringhunde vor HD zu schützen und, was mir ein wesentlicher Punkt ist: Das Ergebnis der gesamten Arbeit ist, dass mit den arbeitenden Hunden keine Triebarbeit gemacht werden muss. Was passiert, wenn man es doch macht, konntest Du an meinem Mali sehen.
Noch ein Wort zu den Besten sowie heutiger, moderner Ausbildung: Die Meisten der Elite werden (mit ihren Team) immer beste Ergebnisse erzielen. Ob mit Stachel, Tele oder Clicker ist gleich. Sicher ist es besser, mit weniger mehr zu erreichen. (Wobei das Kontingenzschema nicht unterschlagen werden sollte, zumindest nicht die negative Belohnung). Mein Hund ist mein Freund und Freunde verprügelt man nicht.
Die dauerhaften Leistungsträger haben gelernt, ihren Hund immer GLEICH zu führen. Sie sind für den Hund berechenbar, vorhersehbar in ihrem Handeln in dem Sinne, dass der Hund immer weiß, was er tun und lassen muss, (um ein Ziel zu erreichen). Wie ein Hund funktioniert oder als Hund im Alltag wahrgenommen wird ist keine Frage der Ausbildungsmethode, sondern der Psyche, welche dem Hund gegenübersteht. Nimmt er sie ernst, bietet sie dem Hund ausreichend Orientierung?
Wenn meine Oma die Zeitung zusammenrollte, war es der Fall. Das mag man bemängeln, aber Oma war so, der Hund war auch da – wo sollten Oma oder er denn hin? So hat man sich arrangiert und alles war in Ordnung.
Wenn X seinen Hund nicht mehr ausführt, da sein Hund ihn beim Wildern hinter sich her zieht, ist das ungünstig. Vielleicht ist X auch blöd und hat kein Buch über Hundepsychologie gelesen. Wenn X sich nun einen Tacker zulegt und wieder seinen Hund unter Kontrolle bekommt, kann der Hund wieder raus. Diese Entscheidung für den Tacker würde ich für klug halten. Das Tele gibt Sicherheit zur Veränderung der Psyche.
Das mit der Psyche ist das, was die meisten Hundeexperten nicht lehren. Wenn alle ihrem Hund mal die Ohren langziehen würden, (das Kind ist doch schon in den Brunnen gefallen, trotz oder gerade wegen Hundeschule und Experten), hätten sie nicht mehr ausreichend Kunden.
Gruß Frank
PS: Es ist richtig, dass mittels Clicker Hunde am schnellsten lernen (können), aber die Erwartung, alle Menschen KÖNNEN so arbeiten, geht am Leben vorbei. Noch viel schlimmer ist es, einem hilflosen Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn er(in seiner Wut) mal gegen den Hund vorgeht, um wieder ein vernünftiges Leben führen zu können.


